Förderverein Grand Opera Wilhelm Tell

Ein Investition in die Seele der Schweiz
 

Naturgewalt und Symbolkraft

Gioachino Rossini's "Wilhelm Tell" ist die einzige weltberühmte Oper mit einen Schweizer Thema. Darüber hinaus sind zwei Motive aus der Ouvertüre jeder Schweizerin und jedem Schweizer von Kindheit an bekannt: Der Dreiklang des Schweizer Postautos und die Trompetenfanfare mit dem darauffolgenden, sogenannten Galopp.

Mit der Freilichtinszenierung auf dem Rütli wird Rossinis Oper erstmals seit der Urauf-führung in Paris 1829 am Originalschau-platz der Handlung gezeigt. Das Rütli ist der Ort, der wie kein anderer das freiwillige Zusammenwachsen und die Kohäsion der heutigen Schweiz symbolisiert und welcher schon damals Schiller wie Rossini zu Meisterwerken inspirierte. Rossini schickte gar seinen Bühnenbildner dorthin, damit er die atemberaubende Vierwaldstätterseeland- schaft von Anfang an möglichst originalgetreu auf die Pariser Bühne bringe. Und nun wächst seine Musik auf dem Rütli erstmals mit jener Natur zusammen, die er in seiner Oper so wundervoll beschreibt.

Konzeptionell führt Rossinis «Wilhelm Tell» auf dem Rütli über vergleichbare, internationales Aufsehen erregende Opergrossprojekte wie zum Beispiel Verdis «Aida» vor den Pyramiden in Gizeh oder Puccinis «Turandot» vor der Verbotenen Stadt in Peking hinaus, denn bei Rossini ist die Natur (-gewalt) quasi in die Musik hineinkomponiert. 

  


Wie bereits vom Komponisten in seiner ungewöhnlichen Oper musikalisch und inhaltlich angelegt, dienen daher das Rütli und die umgebende, herrliche Alpenlandschaft nicht einfach als spektakuläre Staffage, sondern stellen den eigentlichen Kern dieses Projekts dar.

Neben beliebten Episoden wie Leutholds Flucht, dem Apfelschuss, dem Tellsprung, Gesslers Tod und natürlich dem Rütlischwur arbeitet Andreas Winklers behutsame Inszenierung Aspekte des Werkes heraus, denen in der Vergangen- heit vielleicht zu wenig Beachtung geschenkt wurden. Interessant zum Bespiel, wie Rossini in seiner Oper die beiden Frauenfiguren – Tells Gattin Hedwig sowie die habsburgische Prinzessin Mathilde – zeichnet: selbstbewusst handelnd, mutig und stark. Gleichzeitig lässt sich beobachten, wie Natur und Landschaft gedanklich immer stärker mit den als archetypisch gesehenen Eigenschaften der Frau/Mutter in Bezug gesetzt werden. 

Generell reflektieren Naturbe-schreibungen in der Musik vom Beginn der Ouvertüre an den Verlauf der Handlung mit ihren verschiedenen Ereignissen und Seelenzuständen (ländliche Idylle und Unterdrückung, Gefahr und Aufstand, Wiederherstellung von gerechter Ordnung und Freiheit usw.).

    


Diesen Klangbildern geben die beein-druckende Bergkulisse, das an eine verwandelbare, überdimensionale Armbrust erinnernde Bühnenbild und die atmosphärische, symbolistische Bildmotive einbeziehende Inszenierung eine optische Entsprechung, wodurch die Aufführung zu einem einmaligen und seltenen Gesamt-erlebnis wird.

Nimmt die «Grand Opéra Wilhelm Tell» aufgrund der Verbundenheit mit dem Ort keinen radikalen, sondern einen evolutionären inszenatorischen Standpunkt ein, so verfolgt die Produktion auch im Musikalischen Wege, die Pioniere der historischen Aufführungspraxis wie Nikolaus Harnoncourt, Claudio Abbado, Giovanni Antonini oder Cecilia Bartoli in den letzten Jahren im Bereich des Belcanto und der romantischen Oper mit Stetigkeit beschritten haben – dies spiegelt sich sowohl in der Wahl der Ausführenden wieder, als auch in der Interpretationsweise der Solistinnen und Solisten, des Chors, des Orchesters und des Dirigenten.